AGrandBuild – Forschungsprojekt untersucht Nutzungspotenzial von Küstentannenholz

Beitrag veröffentlicht am

Welche Verwendungsmöglichkeiten bringen schnellwachsende Nadelbaumarten wie die Küstentanne (Abies grandis) mit? Und eignen Sie sich zur Herstellung von geklebten konstruktiven Vollholzprodukten für den Ingenieurholzbau? Diese Fragestellungen untersucht das von der Fachagentur Nachwachsende Rohstoffe e.V. geförderte Projekt AGrandBuild.

Wald im Wandel: Von der Fichtenkalamität zum Waldumbau

Die Holzvorräte der Baumart Fichte (Picea abies) wurden durch die Borkenkäfer-Kalamität seit 2018 in Nordrhein-Westfalen auf weniger als 50 % reduziert. Die Folgen der Kalamität für Nordrhein-Westfalen waren eine Nadelholz-Schadfläche von etwa 140.000 ha und über 48 Mio. fm Kalamitätsholz (Waldzustandsbericht NRW 2025). Die Konsequenz: Die Verfügbarkeit von Fichtenholz überschritt zweitweise die inländische Nachfrage bei weitem. Im Zuge des Wiederbewaldungs- und Waldumbauprozesses werden derzeit vermehrt alternative Laub- und Nadelholzarten zur Begründung klimaanpassungsfähiger, strukturreicher Mischwälder herangezogen. Darunter unter anderem schnellwachsende Nadelbaumarten wie die Küstentanne (Abies grandis (DOUGL. EX D. DON) LINDL.), deren Holz bislang vornehmlich im Bereich der Verpackungen und Produktion von Paletten Verwendung findet.

Naturverjüngung der Küstentanne (Abies grandis (DOUGL. EX D. DON) LINDL.) Bildquelle: Wald und Holz NRW/ Dr. Lukas Emmerich

AGrandBuild – Untersuchung von Nutzungspotenzialen im Holzbau

Im Oktober 2025 startete das FNR-Verbundvorhaben AGrandBuild – Untersuchung des Nutzungspotenzials von Küstentannenholz (Abies grandis (DOUGL. EX D. DON) LINDL.) als klimaresistente Alternative zur Substitution von Fichtenholz (Picea abies KARST.) in lastabtragenden Holzbauprodukten. Das Projekt hat eine Laufzeit von drei Jahren. Ziel des unter dem Lead der Technische Hochschule Ostwestfalen-Lippe durchgeführten Forschungsprojektes ist es, das Nutzungspotenzials von Küstentannenholz zu untersuchen. Im Vordergrund steht, eine hochwertige Nutzung von Küstentannenholz im Bauwesen zu etablieren, um klimabedingten Herausforderungen und einer wachsenden Nachfrage nach nachhaltigem Holzbau gerecht zu werden.

Die Verknappung von Fichtenholz, bedingt durch den Klimawandel, macht es notwendig klimaresiliente Alternativen zur Deckung der steigenden Nachfrage nach nachhaltigen, biobasierten Baumaterialien zu untersuchen. Bisher ist in Deutschland lediglich die Nutzung von Küstentannenholz nordamerikanischer Holzherkunft (USA, Kanada) für tragende Zwecke über das „Hemfir“- Sortiment zulässig. Das Ziel des Projekts ist es, die Verwendbarkeit des Küstentannenholzes aus deutscher Herkunft auf Basis deutscher Festigkeitssortiernormen zu prüfen und eine Einstufung in die EN 1912 vorzubereiten, um langfristig die holzbasierte Rohstoffversorgung im Bauwesen sicherzustellen.

Vom Baum zum Holzprodukt – Forschung entlang der gesamten Wertschöpfungskette

Entlang der gesamten Wertschöpfungskette werden Rundholzeigenschaften, Sortierkriterien, die Eignung für geklebte Vollholzprodukte sowie materialtechnische Modelle erforscht. So soll die Küstentanne als leistungsfähiger, biobasierter Baustoff der Zukunft etabliert werden. Erste Küstentannenbestände wurden bereits ausgewählt und hinsichtlich der waldbaulichen Behandlung und Qualität der Bäume bewertet. Im April 2026 steht die Sortierung des Rundholzes und der Einschnitt im Sägewerk an, der von einer studentischen Abschlussarbeit begleitet wird. Anschließend werden die produzierten Kanthölzer und Lamellenquerschnitte Untersuchungen zur Sortierung sowie Prüfungen der Verklebung und Festigkeiten des Holzes an der Technische Hochschule Ostwestfalen-Lippe unterzogen.

Motormanuelle Holzernte von Küstentanne in einem ca. 60-jährigen Küstentannenbestand in Hanglage (Abies grandis (DOUGL. EX D. DON) LINDL.)/ Bildquelle: Wald und Holz NRW/ Dr. Lukas Emmerich

Das Forschungsprojekt wird vom Bundesministerium für Landwirtschaft, Ernährung und Heimat (BMLEH) über die Fachagentur Nachwachsende Rohstoffe e. V. (FNR) gefördert.


Bildquelle Titelbild: Wald und Holz NRW/Dr. Lukas Emmerich