Wie können standardisierte Systemlösungen den mehrgeschossigen Holzbau effizienter, wirtschaftlicher und zukunftsfähiger gestalten? Welche Potenziale bietet die verstärkte Nutzung von Laubholz im Ingenieurholzbau? Und wie lassen sich Planung, Bemessung und Ausführung durch digitale Werkzeuge und praxisnahe Planungshilfen vereinfachen?
Diesen und weiteren Fragestellungen widmete sich die Hybrid-Fachtagung „Holzbau-Systemlösungen für die Mehrgeschossigkeit“. Dazu kamen am 9. Juni 2026 über 70 Interessierte Fachleute in das Zentrum HOLZ in Olsberg. Über 500 Teilnehmende verfolgten die Hybrid-Tagung online an den Bildschirmen.
Im Mittelpunkt standen die Erkenntnisse und Ergebnisse des FNR-Verbundprojektes „HolzSysteMe“, das neue Ansätze für standardisierte Lösungen im mehrgeschossigen Holzbau entwickelt hat. Die Veranstaltung bot Fachleuten aus Planung, Forschung, Wohnungswirtschaft und Holzbaupraxis eine Plattform für den gelebten Wissenstransfer sowie Diskussionen und Vernetzung rund um die Themen mehrgeschossiges Bauen mit Holz und den stofflichen Verwendungsmöglichkeiten von Laubholz.
Die Fachtagung wurde durch Dr. Stefanie Wieland, Leiterin Team Holzwirtschaft im Zentrum für Wald und Holzwirtschaft eröffnet. Nach der Begrüßung durch Thomas Wälter, Leiter des Zentrums für Wald und Holzwirtschaft (Wald und Holz NRW), sowie einem Grußwort und Impuls von Dr. Ralf Petercord (Ministerium für Landwirtschaft und Verbraucherschutz des Landes Nordrhein-Westfalen) zur Notwendigkeit des Bauens mit Holz, stellte Prof. Dr.-Ing. Thomas Uibel (FH Aachen) die Ausgangssituation sowie die Zielsetzungen des FNR-Forschungsprojektes HolzSysteMe vor. Im Fokus des Projektes stand die Entwicklung typisierter Bauteile und Anschlüsse, die Planungs- und Ausführungsprozesse vereinfachen, beschleunigen und wirtschaftlicher gestalten sollen. Damit leistete das Projekt einen wichtigen Beitrag zur weiteren Professionalisierung und Standardisierung des mehrgeschossigen Holzbaus.
Wertschöpfungskette Forst-Holz: Laubholz als Zukunftschance
Der erste Themenblock, moderiert von Prof. Dr.-Ing. Thomas Uibel, widmete sich der Etablierung von Laubholz im Ingenieurholzbau. Dr. Stefanie Wieland und Dr. Lukas Emmerich vom Team Holzwirtschaft des Zentrums für Wald und Holzwirtschaft (Wald und Holz NRW) beleuchteten die Chancen und Herausforderungen, die sich im Zuge des Waldumbaus und der Veränderungen an der Rohstoffbasis ‚Holz‘ ergeben. Denn vor dem Hintergrund klimabedingter Veränderungen der Wälder gewinnt die Begründung klimaanpassungsfähiger, strukturreicher Mischwälder zunehmend an Bedeutung, was weitreichende Auswirkungen auf die gesamte Wertschöpfungskette Forst-Holz hat. Im zweiten Teil des Vortrages wurden daher die Potenziale der Baumart Birke für den konstruktiven Holzbau vorgestellt.
Anschließend präsentierte Tom Jansen (FH Aachen und Wald und Holz NRW) die Ergebnisse experimenteller Untersuchungen zur Tragfähigkeit von Brettschichtholz aus Birke. Die vorgestellten Forschungsergebnisse zeigten die technischen Potenziale der Holzart für zukünftige Anwendungen im Ingenieurholzbau auf, mit denen sich Herr Jansen im Rahmen seines Promotionsvorhabens beschäftigt.
Mit einem Blick auf die praktische Umsetzung verdeutlichte Christian Rosenkranz (Fast + Epp GmbH) die Chancen von Laubholz für den urbanen und mehrgeschossigen Wohnungsbau. Anhand von Projektbeispielen wurde aufgezeigt, wie innovative Laubholzprodukte zur Erweiterung des konstruktiv nutzbaren Spektrums von Holzarten beitragen und neue Perspektiven für nachhaltige Bauweisen eröffnen können. Die anschließende Diskussion machte deutlich, dass die Nutzung von Laubholz künftig eine wichtige Rolle innerhalb der Wertschöpfungskette Forst-Holz einnehmen kann.
Mehrgeschossiger Holzbau im Detail: Bauteile, Bauphysik und Brandschutz
Im zweiten Themenblock standen technische Anforderungen und Systemlösungen für den mehrgeschossigen Holzbau im Mittelpunkt. Durch diesen Tagungsteil moderierte am Nachmittag Prof. Dr.-Ing. Leif A. Peterson (FH Aachen).
Stephan Zehnpfennig von der Aachener Siedlungs- und Wohnungsgesellschaft mbH stellte sehr eindrücklich und inspirierend das Projekt ‚Woodstöcken‘ vor. Sein Praxisbericht und Blick auf ein sich bereits in der Umsetzung befindliches Projekt verdeutlichte die Herausforderungen und Chancen bei der Umsetzung größerer Wohnungsbauprojekte in Holzbauweise und zeigte die Bedeutung standardisierter Lösungen für die Projektentwicklung auf.
Prof. Dr.-Ing. Dirk Kruse (Dehne, Kruse Brandschutzingenieure, Beratende Ingenieure) beleuchtete die Anforderungen des Brandschutzes in den Gebäudeklassen 4 und 5 und erläuterte die aktuell geltenden gesetzlichen Rahmenbedingungen sowie deren Umsetzungsmöglichkeiten in der Praxis. Dabei wurde deutlich, dass moderne Holzbausysteme leistungsfähige und sichere Lösungen bieten, wenn brandschutztechnische Aspekte frühzeitig in die Planung integriert werden.
Im Anschluss schwenkte Markus Duffner (FH Aachen) zurück zum FNR-Projekt HolzSysteMe und stellte die im Projekt entwickelten Systemlösungen für Bauteile und Anschlüsse vor. Die vorgestellten Details und Konstruktionsansätze bilden einen zentralen Bestandteil der Projektergebnisse und sollen Planenden künftig als praxisnahe und in der Praxis umsetzbare Hilfestellung dienen, die zeitnah in Form eines Bauteilkatalogs veröffentlicht werden.
Die Wechselwirkungen zwischen Bauphysik und Brandschutz erläuterte im Anschluss Maximilian Pirschel von Pirmin Jung Deutschland. Sein Vortrag zeigte eindrucksvoll, wie eng beide Bereiche miteinander verknüpft sind und wie ganzheitliche Betrachtungen zu robusten und nachhaltigen Konstruktionen beitragen können.
Konstruktion und Ausführung: Von der Planung in die Praxis
Der dritte Themenblock schlug die Brücke von den Forschungsergebnissen des Projektes HolzSysteMe hin zur praktischen Umsetzung.
Achim Schmickler von Adams Holzbau-Fertigbau, ein weitere Praxispartner im Projekt, zeigte anhand seiner Erfahrungen aus der Baupraxis, welche Anforderungen an Konstruktionen und Ausführungen im mehrgeschossigen Holzbau gestellt werden und wie sich standardisierte Lösungen in reale Bauprojekte integrieren lassen.
Im Anschluss stellte Markus Reimann von der NR Ingenieurgesellschaft holztragwerke die im Rahmen des Projektes entwickelten Softwaretools vor. Die digitalen Anwendungen sollen Planende in Zukunft bei der Auswahl und Bemessung geeigneter Systemlösungen unterstützen und eine effizientere Vorplanung ermöglichen. Damit wurden die Projektergebnisse um einen praxisorientierten digitalen Baustein ergänzt, der den Wissenstransfer in die Planungspraxis erleichtert.
Forschungsergebnisse mit hoher Praxisrelevanz
Im abschließenden Resümee fassten Dr. Stefanie Wieland und Prof. Dr.-Ing. Thomas Uibel die wesentlichen Erkenntnisse der Fachtagung zusammen. Deutlich wurde, dass die im Projekt HolzSysteMe entwickelten Systemlösungen einen wichtigen Beitrag leisten können, um den mehrgeschossigen Holzbau wirtschaftlicher, planungssicherer und leichter zugänglich zu machen. Die Kombination aus typisierten Bauteilen und Anschlüssen, digitalen Planungshilfen sowie neuen Ansätzen zur Nutzung von Laubholz eröffnet zusätzliche Potenziale für ein nachhaltiges und ressourceneffizientes Bauen.
Beim anschließenden Get Together nutzten die Teilnehmenden die Gelegenheit zum fachlichen Austausch und zur Vertiefung der diskutierten Themen. Die große und durchweg positive Resonanz auf die Veranstaltung unterstrich das hohe Interesse der Branche an praxisnahen Lösungen für den mehrgeschossigen Holzbau und zeigte zugleich die Bedeutung von gemeinsamer, fachübergreifender Forschungs- und Entwicklungsarbeit entlang der gesamten Wertschöpfungskette Forst-Holz.
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