17 Sachverständige und Fachleute, konkrete Schadensfälle aus der Praxis und reichlich Gesprächsbedarf: Beim diesjährigen Sachverständigentag des Innungsverbandes des Zimmerer- und Holzbaugewerbes Westfalen am 22. September im Zentrum Holz in Olsberg standen Fachwissen, Erfahrungsaustausch und der Blick auf ganz konkrete Fälle im Mittelpunkt.
Geschäftsführerin Tanja Hauptstock machte bereits bei der Begrüßung deutlich, welchen Stellenwert das Sachverständigenwesen für den Innungsverband hat, und ermunterte die Teilnehmer ausdrücklich, den Tag auch für den Austausch untereinander zu nutzen. Eine Einladung, die gerne angenommen wurde – nicht nur während der Vorträge, sondern hörbar auch in den Pausen.

Aus der Praxis für die Praxis
Den fachlichen Auftakt machte Horst Grübener mit einem Fallbeispiel aus der denkmalgeschützten Kirchensanierung. Eichenfachwerk und Lehmausfachungen trafen hier auf ganz unterschiedliche Interessen: Denkmalschutzbehörde, Architekt, Zimmerer und Dorfgemeinschaft hatten jeweils eigene Vorstellungen davon, wie viel erhalten, erneuert oder saniert werden sollte. Hinzu kam eine sehr praktische Herausforderung: geeignetes trockenes Eichenholz zu beschaffen.

Unter dem Titel „Ein Fass ohne Boden?“ nahm Friedrich Korte anschließend einen Schadensfall an einer Fasssauna unter die Lupe. Neben der technischen Bewertung standen insbesondere rechtliche Fragestellungen für Sachverständige im Fokus. Eine vermeintlich einfache Frage sorgte dabei für intensive Diskussionen: Was genau ist eigentlich eine bauliche Anlage?

Wie entscheidend ein durchdachtes Feuchtemanagement gerade im modernen Holz- und Holzhybridbau ist, verdeutlichte der Gastredner Dipl. Ing. (FH) Holztechnik/Holzbau und Sachverständiger für Raumlufthygiene und Messtechnik Robert Simon. Seine Forderung: So selbstverständlich wie Sicherheits-, Brandschutz- oder andere Beauftragte sollte bei entsprechenden Bauvorhaben auch ein Feuchteschutzbeauftragter sein. Dabei zeigte er zugleich, dass wirksamer Feuchteschutz manchmal erstaunlich pragmatisch beginnt: 90% der Lösung besteht darin, das Wasser wegzufegen/-saugen.
Schrauben, Statik und ein Blick in die Praxis
Nach der Mittagspause rückten Verbindungsmittel und statische Elemente in den Mittelpunkt. Andreas Peitz von Eurotec erläuterte ihre Bedeutung bei Schadensfällen im Holzbau und ergänzte seinen Vortrag durch eine Livepräsentation in der Ausstellungshalle des Zentrums Holz.
Diskutiert wurde unter anderem, wann eine Schraube eine entsprechende Zulassung braucht. „Wenn Gefahr für Leib und Leben besteht und ein wirtschaftlicher Schaden bei deren Versagen zu erwarten ist – verantwortlich ist derjenige, der sie reinschraubt.“

Einen ganz anderen Spannungsbogen eröffnete Andreas Wagner, Zimmerermeister und öffentlich bestellter und vereidigter Sachverständiger im Zimmererhandwerk. Anhand eines konkreten Falls zeigte er, welche Folgen eine nachträglich montierte Photovoltaikanlage für eine Flachdachkonstruktion haben kann. Die dadurch entstandene Verschattung hatte erhebliche Auswirkungen auf den Feuchtehaushalt der Konstruktion und führte schließlich zu Schimmelpilzbildung.
Der Austausch gehört dazu
Dass ein Sachverständigentag weit mehr ist als eine Reihe von Fachvorträgen, brachte ein Teilnehmer treffend auf den Punkt:
„Neben den fachlichen Informationen ist für mich der Austausch mit den Kollegen ebenso wichtig.“
Wie intensiv dieser Austausch genutzt wurde, ließ sich spätestens an der Lautstärke in den Pausen erkennen. Fälle wurden weiterdiskutiert, Erfahrungen geteilt und mögliche Lösungswege miteinander besprochen. Auch das Fachmagazin „Holzbau – die neue quadriga“ wurde dabei immer wieder als Quelle für Lösungsansätze und weiterführende Informationen herangezogen.
Nach einem abschließenden Blick auf aktuelle Termine wie dem Sachverständigentag der Handwerkskammern Dortmund und Südwestfalen am 16. Oktober, dem EBH-Kongress Köln 07./08.10. und der offenen Mitgliederversammlung vom Landesbeirat Holz NRW e.V. am 11.12.und aktuelle Entwicklungen im Bereich KI endete ein erfolgreicher Sachverständigentag. Was blieb, waren viele fachliche Impulse – und die Erkenntnis, wie wertvoll der persönliche Austausch unter Sachverständigen für die tägliche Praxis ist.
Ein herzlicher Dank gilt allen Referenten und Teilnehmern, die mit ihren Erfahrungen, Fragen und Diskussionen zu einem lebendigen und praxisnahen Sachverständigentag 2026 beigetragen haben.
Bildquelle: PK-Media Consulting GmbH

