26.11.2025 | Von der Kalamität zur Wertschöpfung

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Hybrid-Fachtagung informiert über die Verwendungsmöglichkeiten von stehend- und liegend-trocken gelagertem Fichten-Kalamitätsholz

Mehr als 130 Akteure des Clusters Forst und Holz aus Forschung und Praxis, darunter 45 Teilnehmende in Präsenz, haben an der Hybrid-Fachtagung „Von der Kalamität zur Wertschöpfung“ teilgenommen. Am 26. November 2025 trafen die Teilnehmenden aus NRW, dem Bundesgebiet und den europäischen Nachbarländern, darunter Österreich und Norwegen, im Zentrum HOLZ in Olsberg zusammen. Im Fokus der Veranstaltung standen die Präsentation der Erkenntnisse aus dem FNR-Verbundprojekt NUKAFI (Nutzung Kalamitätsholz Fichte) sowie die Erfahrungen der Praxisakteure während der jüngsten Borkenkäfer-Kalamität, darunter Waldbesitzende, Vertreter*innen aus der Holzverarbeitung sowie der Öffentlichkeitsarbeit und Umweltbildung.

140.000 ha Nadelholz-Schadfläche allein in Nordrhein-Westfalen

Die Holzvorräte der Baumart Fichte (Picea abies) wurden durch die Borkenkäfer-Kalamität seit 2018 in Nordrhein-Westfalen auf weniger als 50 % reduziert. Die Folgen der Kalamität: Eine Nadelholz-Schadfläche von etwa 140.000 ha und über 48 Mio. fm Kalamitätsholz (Waldzustandsbericht NRW 2025). Die Konsequenz: Holzernte-, Lagerungs- sowie Verarbeitungskapazitäten wurden an ihre Grenzen gebracht und die Verfügbarkeit von Fichtenholz überschritt zweitweise die inländische Nachfrage bei weitem. Als Folge verblieben vermehrt Fichten-Dürrständer (nicht forstschutzrelevante Bäume) auf den Flächen oder wurden in Trockenlagern eingelagert. Doch wie verändern sich die Holzqualität und die Nutzungsmöglichkeiten von stehend- und liegend-trocken gelagertem Fichten-Kalamitätsholz? Ist die Holzqualität noch ausreichend, um langlebige Bauprodukte oder Holzwerkstoffe wie Brettsperr- oder Brettschichtholz herzustellen? Und wie kann Kalamitätsholz möglichst lange ohne Wertverlust gelagert werden?

FNR-Verbundprojekt NUKAFI (Nutzung Kalamitätsholz Fichte)

Die zuvor benannten sowie weitere Fragstellungen rund um den Themenkomplex Kalamitätsflächen und Kalamitätsholz der Baumart Fichte untersuchte das FNR-Verbundprojekt NUKAFI (Nutzung Kalamitätsholz Fichte) in den vergangenen 3 Jahren. Im Fokus standen die stofflichen Verwertungsmöglichkeiten von stehendgelagertem Fichten-Kalamitätsholz, die in Abhängigkeit von Schadfortschritt und Holzqualität untersucht wurden. In fünf Teilvorhaben wurde das Projekt im gemeinsamen Verbund durch das Fraunhofer-Institut für Holzforschung (Wilhelm-Klauditz-Institut, Projektkoordination), das Institut für Holztechnologie Dresden, den Deutsche Säge- und Holzindustrie Bundesverband e.V., die Georg-August-Universität Göttingen und das Zentrum für Wald und Holzwirtschaft (Wald und Holz NRW) umgesetzt. Die Fördermittel erhielten die Projektpartner von den Bundesministerien für Landwirtschaft, Ernährung und Heimat (BMELH) sowie Umwelt, Klimaschutz, Naturschutz und nukleare Sicherheit (BMUKN) aus dem Waldklimafonds. Projektträger des Waldklimafonds war die Fachagentur für Nachwachsende Rohstoffe e.V.. Projektbegleitend beteiligten sich die Nationalparkverwaltung Harz, der Verband der Deutschen Holzwerkstoffindustrie e.V. (VHI), die ante-holz GmbH und die EGGER Holzwerkstoffe Brilon GmbH & Co. KG sowie die Elka-Holzwerke GmbH, die Sonae Aurauco Deutschland GmbH und die Überwachungsgemeinschaft Konstruktionsvollholz e.V. am Projektvorhaben.

Forschung aus der Realsituation einer Großkalamität heraus

Ausgangspunkt für das FNR-Projekt waren die seit 2018 im mitteldeutschen Raum vorherrschende Großkalamität und die sich regional stark reduzierenden Fichtenvorräte, welche die Wertschöpfungskette Forst-Holz vor massive Herausforderungen stellte. Kalamitätsflächen aus den Regionen „Sauerland“ und „Harz“ bildeten die Basis für die Untersuchungen im FNR-Projekt NUKAFI – zwei Regionen, die im bundesweiten Vergleich von der jüngsten Borkenkäfer-Kalamität besonders stark betroffen waren. Fichtenholz unterschiedlicher Befallsstadien mit rindenbrütenden Borkenkäfern sowie nach unterschiedlichen Stehendlagerungsdauern wurde untersucht. Im Fokus der Stehendansprache stand die Identifizierung charakteristischer Merkmale sowie biotischer Schadorganismen, die auf eine Veränderung der Holzqualität und Stabilität der Dürrständer hindeuten können. Ferner wurde Fichten-Kalamitätsholz über die Untersuchung der mechanischen Eigenschaften bis hin zur Herstellung von Holzwerkstoffen sowie verklebten Vollholzprodukten (u.a. Brettsperrholz), inklusive deren physikalischen und mechanischen Eigenschaften, in den verschiedenen Teilvorhaben erforscht. Einen weiteren Schwerpunkt bildeten Zustandsanalysen von Kalamitätsholz, welches an verschiedenen Standorten (u.a. unterschiedliche klimatische Bedingungen) und mit unterschiedlicher Dauer in Trockenlagern eingelagert wurde. Im Sinne einer ganzheitlichen Betrachtung wurden auf Basis von Umfragen der Forst- und Holzpraxis Risikobewertungen von Fichten-Dürrständerflächen sowie der Verarbeitung von Fichten-Kalamitätsholz im Sägewerk und während der Produktion von Holzwerkstoffen durchgeführt.

Hybrid-Fachtagung „Von der Kalamität zur Wertschöpfung“ stellt Projektergebnisse vor

Im Vordergrund der Hybrid-Fachtagung stand die Präsentation der Erkenntnisse aus dem FNR-Verbundprojekt NUKAFI. Wissenschaftlerinnen und Wissenschaftler der beteiligten Verbundpartner lieferten Einblicke in die Untersuchungsergebnisse zu Lagerungsmöglichkeiten, Sortierung, Verklebung, Eigenschaften und Trocknung von Fichten-Kalamitätsholz. Zahlreiche Praxisakteure und Unterstützerinnen sowie Unterstützer des Verbundprojektes trugen mit Beiträgen zu den Themenkomplexen „Kalamitätsbewältigung und Holzverwertung: Strategien, Lagerungstechniken und Produktentwicklung“ sowie einem Blick auf die Risiken von Großkalamitäten und den Status-Quo des deutschen Kalamitätsmanagements zur Veranstaltung bei. Darüber hinaus bot die Veranstaltung beim anschließenden „Get Together“ Möglichkeiten zum fachlichen Austausch und Netzwerkgespräch mit Branchenakteuren des Clusters Forst und Holz. Abgerundet wurde die Tagung am Folgetag, 27.11.2025 mit einer Fachexkursion zu Best-Practices zur Lagerung und zum Bauen von und mit Fichten-Kalamitätsholz. Erste Station war die Besichtigung eines „Best Practice Trockenlagers“ im Raum Arnsberg, welches im August 2025 auf Basis der im Projekte NUKAFI gewonnenen Erkenntnisse angelegt wurde. Neben der Validierung verschiedener Verfahren zum Qualitätsmonitoring, dient das Trockenlager zukünftig dem Wissenstransfer in die Forst- und Holzpraxis und wird in Seminare sowie Schulungen eingebunden. Zweite Station war der „Klimapavillon“ der IGA 2027 in Schwerte als ein Beispiel eines Realobjektes, in dem Fichten-Kalamitätsholz verbaut wurde. Die Besichtigung des Betriebes Gelzhäuser Forst, auf dem Lisa und Timo Gelzhäuser (Waldbesitzende und Firmengründer) die Teilnehmenden begrüßten, rundeten die Fachexkursion ab. „Aus dem Wald, für den Wald“ hatte sich Gelzhäuser Forst aus der Borkenkäfer-Kalamität heraus zum Hersteller von Tiny Houses aus Fichten-Kalamitätsholz entwickelt. 

Verbrauchermerkblatt und Leitfaden zum Umgang mit Fichten-Kalamitätsholz

Aus dem FNR-Projekt NUKAFI ging ein Verbrauchermerkblatt zur Verwendbarkeit von Fichtenholz aus borkenkäfergeschädigten Wäldern hervor. Weitere Informationen und Ergebnisse werden im Anschluss an die Fachtagung als Leitfaden zum Umgang mit Fichten-Kalamitätsholz veröffentlicht. Der Leitfaden sowie der Abschlussbericht zum FNR-Projekt NUKAFI stehen zum Projektabschluss unter anderem auf den Websites der Fachagentur Nachwachsende Rohstoffe e.V. und des Zentrums HOLZ zur Verfügung.

Bildergalerie: Das war die Hybrid-Fachtagung und Exkursion „Von der Kalamität zur Wertschöpfung“


Bildquelle: PK-Media Consulting GmbH